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Die IVCG

 
Ausgabe 01/09 

Sicherheit – mein weißes Blatt Papier

Ich sitze am Küchentisch und vor mir liegt ein schneeweißes Blatt Papier. Auf dem Blatt steht nur ein Wort: Sicherheit. Ich betrachte es sehr lange, drehe und wende es. Sicherheit, ein sehr bedeutendes Wort im Leben eines Menschen. Was heißt es für mich persönlich? Was bedeutet eigentlich dieses Wort? Fragen, Fragen und noch mehr Fragen. Ich fühle mich etwas unsicher. Nach langem Nachdenken schreibe ich weitere Worte auf. Ich beginne mit ‘Ich’, dann ‘Du’, danach schreibe ich ‘Wir’ und zum Schluss schreibe ich ‘Alle Menschen’ auf das Blatt. Weiter schreibe ich die englischen Worte ‘Security’ und ‘Safety’ auf. Die englische Sprache verwendet zwei verschiedene Worte für Sicherheit und dies macht das Denken einfacher und präziser. In unserer Sprache kennen wir nur einen Ausdruck, die Sicherheit. Was verstehe ich persönlich darunter? Zuerst kläre ich den Begriff. Warum? Ich bilde die Generalstabsoffiziere der Schweizer Armee aus und in dieser Funktion sind Begriffe sehr wichtig. Ein klarer Begriff gibt Sicherheit. Klare Begriffe verhindern Missverständnisse zwischen Menschen. Begriffe müssen eindeutig sein. So schlage ich Begriffe häufig im Duden nach. In der Armee ist es einfacher. Wir haben die für uns Offiziere und Unteroffiziere wichtigen Begriffe in einer Dienstanweisung festgehalten. Der Titel lautet: «Begriffe, Führungsreglemente der Armee.» In verschiedenen Tabellen werden auf 48 Seiten Begriffe alphabetisch geordnet, definiert und mit Verweisen wird deren Bezug zueinander aufgezeigt. Sicherheit kommt nicht vor, aber ‘sichern, Sicherung’. Die Definition dazu: «Personen, Truppen, Einrichtungen oder Räume nachhaltig vor gegnerischer Einwirkung schützen.» Zurück zum Duden: Ich finde zahlreiche Hinweise und Erklärungen zum Wort Sicherheit. Geborgenheit und Schutz gefallen mir am besten. Das Gegenteil davon wäre vielleicht Angst, Alleinsein, Bedrohung, Unsicherheit. Ich schreibe die Worte auf mein Blatt Papier und denke nach … Ich ergänze mein Blatt mit Angst, Bedrohung, Ohnmacht und Werte. Und jetzt spüre ich eine Unsicherheit.

Was tun bei den eher bedrohlichen Gedanken? Wie erfahre ich Sicherheit? Was/wer gibt mir Halt? Meine Werte. Was/wer steht im Zentrum? Gott. Warum? Ganz einfach, er ist immer hier und bei mir. Zu ihm kann ich beten, rufen, schreien. Denken Sie nur an das sog. Stoßgebet. Jesus sagte – und ich liebe diese Aussage: «Ich bin der Weg, der zur Wahrheit und zum Leben führt. Einen anderen Weg zum Vater gibt es nicht.»1 In großer Gefahr lernt der Mensch meistens beten. Das hat mir mein Vater auf unseren Bergtouren immer wieder erklärt.


Ich überlege, wie ich Sicherheit in meinem Leben erfahre. Am Morgen stehe ich meist um fünf Uhr auf und fahre, nach einer gewissen Anlaufzeit, zur Arbeit. Zur Vorbereitung des Tages gehört für mich Beten und die Bibel lesen. Ich habe zum Thema Sicherheit überlegenswerte Worte in der Bibel gefunden. In einem Gleichnis zum Thema Habgier erzählt Jesus von einem Menschen, der sich sicher fühlt: «Ein reicher Gutsbesitzer hatte eine besonders gute Ernte gehabt. <Was soll ich nur tun?>‚ überlegte er. <Ich weiß nicht, wo ich das alles unterbringen soll!> <Ich hab’s>, sagte er, <ich reiße meine Scheunen ab und baue größere! Dann kann ich das ganze Getreide und alle meine Vorräte dort unterbringen und kann zu mir selber sagen: Gut gemacht! Jetzt bist du auf viele Jahre versorgt und kannst dir Ruhe gönnen! Iss und trink nach Herzenslust und genieße das Leben!> Aber Gott sagte zu ihm: <Du Narr, noch in dieser Nacht musst du sterben! Wem gehört dann dein Besitz?> Und Jesus schloss: <So geht es allen, die nur für sich selbst Reichtümer sammeln, aber in den Augen Gottes nicht reich sind.>»2

Jeden Morgen stelle ich den Wecker, zur Sicherheit – man weiß ja nie! Sicher ist sicher! Bevor ich das Haus verlasse, bete ich für meine Familie. Ich erhoffe mir für sie Sicherheit, d.h. Gesundheit und Schutz; für meine Frau bei ihrer Arbeit und im Haus; für die Kinder Bewahrung beim Studieren und Lernen.

Die Autofahrt dauert ungefähr fünfzig Minuten. Nach dem Einsteigen ins Auto schließe ich den Sicherheitsgurt. Ich fahre immer, auch tagsüber, mit Licht. Meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass vor allem die schwächeren Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer, Zweiradfahrer, Fußgänger und Schulkinder auf Licht besser reagieren und das Auto sehen. Im Winterhalbjahr ist es morgens und abends dunkel und so kommt es manchmal zu kritischen Situationen. Ich danke Gott, dass jeweils nichts passiert ist, wenn zum Beispiel ein Fußgänger plötzlich über die Straße rennt. Er ist spät dran, sein Zug fährt und so rennt er … Weil der Fußgänger schwarz gekleidet ist, sieht man ihn schlecht … Der Fahrer vor mir bremst plötzlich und es entstehen gefährliche Situationen. Ein Lastwagenfahrer und mehrere Autofahrer sind betroffen, aber sie können alle rechtzeitig stoppen. Glück gehabt! Oder vielleicht Gottes Segen und Schutz? Ich bete und beruhige mich. Dabei kommt mir folgender Satz in den Sinn: «Wer von euch kann durch Sorgen sein Leben auch nur um einen Tag verlängern?»3 Weiter geht die Fahrt. Auch am Arbeitsplatz begleitet mich das Thema Sicherheit. An einer Barriere halte ich den elektronischen Ausweis gegen einen Kasten; die Barriere öffnet sich. Dank demselben Ausweis gelange ich ins Bürogebäude. In meinem Büro zünde ich als erstes eine Kerze an. Es brennt immer eine Kerze auf meinem Schreibtisch. So ist Gott an meinem Arbeitsplatz sichtbar anwesend. Gott sorgt für meine Sicherheit und gibt mir Kraft. Psalm 23 lese ich jeden Tag als Gebet. Ich boote den PC und er verlangt ein Passwort: Sicherheit.

Jeden Morgen lese ich Nachrichten über die Lage in der Welt, in Europa und der Schweiz. Die Meldungen bestätigen: Wir leben in der Schweiz in tiefem Frieden. Natürlich geht es nicht allen Menschen gut. Krankheit, Unfälle, Verbrechen, Arbeitslosigkeit treffen jeden Tag irgendwo irgendwen. Als militärischer Lehrer will ich meine Schüler zum Nachdenken auffordern, will auch provozieren. Sie sollen sich überlegen, welchen Beitrag sie persönlich für die Sicherheit unseres Landes leisten. Was wird von uns Soldaten erwartet? Im normalen Alltag und in der Krise? Heute bitte nicht stören! So denken viele Bürger über ihre Umgebung und vor allem über die Armee. Benötigt die Schweiz wirklich eine Armee? Wir sind doch von Freunden umgeben. Sicherheit. Wie schnell geht sie verloren!? Die Menschen und die Natur sind unberechenbar. Wir hoffen alle, dass wir sicher sind und es immer so bleibt.

Die Realität sieht anders aus. Mit dem Fall der Berliner Mauer hat sich Europa stark gewandelt und zwar in eine sehr positive Richtung. Aber mit dem Anschlag in New York am 11.09.2001 sind viele Hoffnungen zerschlagen worden. Die Sicherheit ist unter anderem durch Terroristen gefährdet. Es sind nicht mehr Staaten, die Krieg führen, sondern einzelne Gruppierungen. Es sind nicht mehr Soldaten, die gegen Soldaten kämpfen müssen. Nein, Zivilisten, oft auch Frauen und manchmal sogar Jugendliche greifen die staatliche Ordnung an. Diese Menschen leben unter uns, und wir verstehen sie nicht. Warum führen sie diesen grausamen Krieg? Grausam, weil sie jeden Menschen jederzeit und überall treffen können. Die Terroristen kämpfen mit der Verbreitung von Angst, mit Waffen und Bomben. Doch sie treffen nur Unschuldige. Der Staat ist gegen diese Form von Kriegführung machtlos. Außer, er schränkt die Freiheiten jedes Bürgers stark ein. Wollen wir dies? Ich bin der Meinung, die Freiheit steht über allem, und wir Bürger müssen die Politiker in diesem Bekenntnis zur Freiheit unterstützen. Ich verlasse mich auf mein Beten. Tag für Tag.

Wer ist für die Sicherheit verantwortlich? Der einzelne Mensch oder der Staat? Beide! Die Aufgaben des Staates sind in der Schweiz in der Bundesverfassung geregelt. Die Schweiz verfügt zur Bewältigung der sicherheitspolitischen Aufgaben über sieben Instrumente:

  1. Die Außenpolitik
  2. Die Armee
  3. Den Bevölkerungsschutz (Polizei, Feuerwehr, Gesundheitswesen, Technische Dienste, Zivilschutz)
  4. Die Wirtschaftspolitik
  5. Die Landesversorgung
  6. Den Staatsschutz und die Polizei
  7. Die Information und die Kommunikation


Mit diesen Mitteln sorgt die Schweiz für Sicherheit in ihrem Territorium. Sicherheit für alle Menschen. Bereits hier spüre ich meine Grenzen. Von den sieben Instrumenten kenne ich nur eines wirklich gut, die Armee! Aber was verstehe ich von den anderen Bereichen? Die heutige Welt ist vernetzt, komplex und Ereignisse in fernen Ländern haben oft sehr schnell und sehr direkt einen Einfluss auf unser Leben. Umweltkatastrophen, Unruhen und Kriege verursacht durch Menschen, auch in fernen Ländern, haben Einfluss auf uns Europäer. Der heutige Mensch benötigt viel Gelassenheit und Gottvertrauen, um sein Leben meistern zu können. Die Bibel hilft mir mit Worten wie: «Sammelt keine Reichtümer hier auf der Erde! Denn ihr müsst damit rechnen, dass Motten und Rost sie auffressen oder Einbrecher sie stehlen. Sammelt lieber Reichtümer bei Gott.»4

Ich schaue auf mein Blatt und lese die beiden Worte ‘Du’ und ‘Wir’. Ich bin in Sicherheit, d.h. ich fühle mich sicher. Und mein Nächster? Sind wir sicher? Wir können viel für unsere Sicherheit tun. Wir können daran denken, wir können darüber sprechen und trotzdem … In der Bibel lese ich: «Ihr sollt euch darüber im Klaren sein: Wenn ein Hausherr genau wüsste, wann der Dieb kommt, würde er den Einbruch verhindern. Darum seid jederzeit bereit; denn der Menschensohn wird kommen, wenn ihr es nicht erwartet.»5

Mir wird bewusst, wie gut es mir geht. Ich fühle mich sicher. Verdanke ich diesen Zustand dem Zufall oder meiner Leistung oder …? Ich glaube, dass Gott für uns sorgt und deshalb bin ich in Sicherheit. Zum Schluss bete ich die Worte des Apostels Paulus: «Freut euch immerzu! Lasst nicht nach im Beten. Dankt Gott in jeder Lebenslage. Das will Gott von denen, die mit Jesus Christus verbunden sind.»6

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1 frei formuliert nach Johannes, Kapitel 14, Sätze 6-7
2 Lukas, Kapitel 12, Sätze 16-21
3 Matthäus, Kapitel 6, Satz 27
4 Matthäus, Kapitel 6, Sätze 19 und 20
5 Lukas, Kapitel 12, Sätze 39 und 40
6 1. Thessalonicher, Kapitel 5, Sätze 16-18

Der Autor

Marcel Fantoni

Marcel Fantoni, Brigadier

CH-Dietikon

Stabschef Operative Schulung (SCOS), verheiratet mit Brigitta Fantoni, zwei erwachsene Kinder
Persönliche Homepage: http://www.leadynummer1.ch

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