

Es ist schon erstaunlich, dass die Frage nach Gott zu allen Zeiten, in jeder Kultur, in jeder Region auf der Erde die Menschheit nicht loslässt. Dabei sind die Vorstellungen von Gott so vielfältig wie die Menschen selbst. Während uns die Frage, ob es einen Gott gibt (und wenn ja, wie er ist und was er will) vereint, trennen uns die Antworten umso deutlicher.
Während Judentum, Christentum und der Islam von einem einzigen Gott ausgehen, herrscht in vielen anderen Kulturen die Ansicht, dass der Himmel gleich mit einer ganzen Göttersippe bevölkert sei. Jede dieser Gottheiten hatte spezifische Aufgaben. Oder besser ausgedrückt: Bestimmte Naturphänomene wurden ‘vergottet’. So wurde z.B. bei den Ägyptern die Sonne zum Sonnengott Re und auch der Nil war ein Gott. Um diese Gottheiten gnädig zu stimmen, mussten bestimmte Rituale ausgeführt, bestimmte Opfer gebracht und bestimmte Tabus beachtet werden.
Manchmal jedoch stritten die Götter auch gegeneinander. Der Ehezwist des Göttervaters Zeus mit seiner Gattin Hera sorgte für viel Stoff in den griechischen Mythen. Im tiefsten waren diese Götter doch sehr menschlich: unberechenbar, launenhaft, teilweise gefährlich oder auch bösartig.
Auf diesem Hintergrund entstanden philosophische Strömungen, die die Frage nach Gott ganz unterschiedlich beantworteten. Die einen sagten, dass es sowieso unmöglich sei, Gott zu erkennen und jeder Mensch müsse sein Schicksal in die eigene Hand nehmen. Andere kamen zurück zu dem Gedanken, dass es in Wirklichkeit nur einen einzigen, ewigen Gott geben könnte. Er sei der Inbegriff des Guten und Schönen.
Als der Apostel Paulus im Jahr 50 n.Chr. in die griechische Hauptstadt Athen kam, fand er einen Altar, der dem ‘unbekannten Gott’ geweiht war1. Im Rahmen der antiken Religiosität hatte ein solcher Altar durchaus Sinn. Denn schließlich konnte es ja sein, dass man, obwohl man viele Götter verehrte, trotzdem einen Gott einfach übersehen hatte. Auch die andere, stärker philosophische Deutung war möglich: Vielleicht kann er nicht erkannt werden und bleibt uns daher unbekannt. Und so fasste dieser Altar das Ergebnis der Gottsuche des antiken Griechenland, das Ergebnis der alten Religion und der neueren Philosophie auf unübertreffbare Weise zusammen.
In diese Situation hinein konnte Paulus dann die erstaunliche Botschaft bringen, dass Gott nicht länger ‘unbekannt’ sein wollte, sondern sich den Menschen bekannt gemacht hatte. Diese Botschaft sorgte naturgemäß für Aufruhr.
Nach wie vor gibt es viele unterschiedliche Vorstellungen von Gott: Da sind die Muslime, die behaupten, Gott habe zwar auch zu den aus der Bibel bekannten Personen Abraham, Moses und David gesprochen. Doch die entscheidende, letzte Botschaft habe er dem arabischen Propheten Mohammed gegeben. Sie sei in der ganzen Welt zu verbreiten – wenn nötig, auch mit Gewalt. Und so breitet sich seit 1400 Jahren auch der Islam, die Religion Mohammeds, scheinbar unaufhaltsam aus.
Dann gibt es die Nachfolger Buddhas, die in vielen asiatischen Ländern das religiöse Bild bestimmen. So vielfältig auch die Erscheinungsformen und Ausdrucksweisen des Buddhismus sind, die grundlegende Lehre ihres Religionsgründers lautet: Das Leben in der Welt ist letztlich von Leiden bestimmt. Ziel des Lebens muss es sein, dieses Leiden zu überwinden, aus dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburten befreit zu werden und in das Nirwana, den Zustand des Nichts, einzugehen. Denn wo ‘Nichts’ ist, da ist auch kein Leiden mehr.
Im Hinduismus, der Religion Indiens, begegnen uns Millionen von Göttern. Sie alle haben, wie in den alten Religionen Europas, bestimmte Funktionen. Sie werden verehrt und angebetet in der Hoffnung, dass sie dafür die Gläubigen schützen und segnen. Im Hinduismus steckt ein starker Geisterund Dämonenglaube, der oft in direkte Magie übergeht. Darin deckt er sich mit vielen so genannten Naturreligionen in aller Welt, die mehr vom Glauben an Geister, Dämonen und Naturkräfte bestimmt sind – oder, um es genauer zu sagen, von der Angst vor diesen – als von der Frage nach Gott. Magische Praktiken werden angewandt, um die Geister zu beruhigen, zu vertreiben oder den Menschen gefügig zu machen. Auch in Europa sind solche Vorstellungen wieder auf dem Vormarsch, und in der heutigen westlichen Welt ist die Frage nach Gott genauso offen und ungeklärt wie in der Antike.
Je unvoreingenommener und intensiver man sich mit den verschiedenen Religionen befasst, um so deutlicher wird, dass sie eben doch nicht dasselbe über Gott sagen. Entweder hat der Buddhismus oder das Judentum, der Islam, der Hinduismus oder aber das Christentum Recht. Alles gleich zu machen und die Unterschiede zu verwischen, wird den Religionen nicht gerecht, denn dazu geben sie einfach zu unterschiedliche Antworten. Darum bietet dieser Ansatz bloß eine Scheinlösung, aber keine glaubwürdige Antwort. Kann man Gott erkennen? Darum geht es im Eigentlichen. Wir Menschen ahnen, dass es einen Gott gibt. Und doch tappen wir im Dunkeln. Darum sind wir abhängig davon, dass Gott sich selbst zu erkennen gibt, und davon berichtet die Bibel.
Die Schöpfung zeigt zum Beispiel Gottes Weisheit, Güte und Größe. Und doch ist die Schöpfung nicht Gott. Geschöpfe anzubeten, und seien sie noch so groß und scheinbar mächtig wie Sonne, Mond und Sterne, ist ein Irrweg.2
Gott hat auch in der Geschichte der Menschen – im biblischen Umfeld primär durch die Geschichte Israels, gesprochen. Und immer wieder entdecken Menschen Spuren des Handelns Gottes in ihrem Leben. Damit will er sie locken, sich auf die Suche nach ihm zu machen.3
Man kann sich nun fragen: «Was geschieht, wenn der Schöpfer in die von ihm geschaffene Schöpfung eintritt?» Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder würde die begrenzte Schöpfung aufgesprengt, weil sie den unbegrenzten Schöpfer nicht fassen kann. Oder der Schöpfer müsste sich selbst begrenzen. Genau diese Begrenzung beschreibt Paulus in seinem Brief an die Christen in der griechischen Stadt Philippi, gerade zwei Jahrzehnte nach dem Tod und der Auferstehung von Jesus: «Obwohl er Gott in allem gleich war und Anteil an Gottes Herrschaft hatte, bestand er nicht auf seinen Vorrechten. Nein, er verzichtete darauf und wurde rechtlos wie ein Sklave. Er wurde wie jeder andere Mensch geboren und lebte als Mensch unter uns Menschen. Er erniedrigte sich selbst und war Gott gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum schändlichen Tod am Kreuz.»4 Das ist Weihnachten.
Die Religionen drücken unsere menschliche Suche nach Gott aus. Jesus Christus aber ist ‘das Ende der Religionen’. Er ist Gott, der auf der Suche nach uns ist. In Jesus ist Gott erkennbar geworden – in den Worten von Jesus: «Wer mich sieht, der sieht den Vater.»5 Der unbekannte Gott hat sich bekannt gemacht, und seither kann jeder Mensch ihn finden.
Der ungekürzte Artikel erschien in NEUES LEBEN - das christliche Ratgebermagazin; www.neuesleben.com. Mehr zum Thema finden Sie im Buch «Jesus Christus - 7 Gründe, warum ich ihm nachfolge»; Neufeld-Verlag.
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1 Apostelgeschichte, Kapitel 17
2 Römer, Kapitel 1, Sätze 19-25
3 Apostelgeschichte, Kapitel 17, Satz 27
4 Philipper, Kapitel 2, Sätze 6-8
5 Johannes, Kapitel 14, Satz 9