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Die IVCG

 
Ausgabe 05/06 

Was ist Erfolg?

 

 

Ursprünglich und landläufig hatte Erfolg die Bedeutung einer persönlichen, individuellen Leistung und deren gesellschaftlicher Anerkennung. Die beiden Komponenten verstand man als synergetisch. Deshalb war persönliche Leistung ohne gesellschaftliche Anerkennung kein Erfolg. Man ging davon aus, dass es allgemein gesellschaftliche Werte gibt; Vorstellungen von gut und schlecht, von Qualität. Deshalb sei es richtig, jene Menschen, die durch persönliche Leistungen, Fähigkeiten, Fleiß und Disziplin diesen Vorstellungen am nächsten kämen, besonders zu belohnen. Man «machte» sie erfolgreich durch gut bezahlte Gehälter, Provisionen und verlieh Orden. Erfolg war also die Belohnung für gute Arbeit.

Heute wissen wir, dass das so nicht stimmt. Anerkennung und Qualität existieren unabhängig voneinander.

Ob etwa ein Künstler erfolgreich ist, hängt nicht davon ab, wie viel er gearbeitet hat, wie anstrengend oder schwierig das Schaffen seines Werkes gewesen ist, ob die Qualität stimmt, sondern wie sich die Leistung «verkaufen » lässt. Der richtige Zeitpunkt ist Teil der Strategie; Erfolg muss schnell sein. Gut zu sein, etwas zu leisten, genügt nicht, ist für den Erfolg eher nebensächlich. Man konzentriert sich auf ein «Eindrucks-Management» – das heißt auf die «Verpackung» und das Marketing.

Erfolg ist eine «Folge» dessen, was getan wurde. Ist Erfolg «machbar»?

Unser Denken ist noch geprägt von der instrumentellen Vorstellung: Ich mache mit diesem Gerät oder Werkzeug etwas und es kommt folgerichtig dieses oder jenes dabei heraus. Das Ergebnis ist eine «Folge» dessen, was getan wurde. Ich mache meine Arbeit gut, verwende die richtigen Materialien, Baupläne und Instrumente – heraus kommt ein gutes Produkt. Es gibt sehr viele Tätigkeiten, die von der Art und Ausführung her ganz anders sind, als das instrumentelle Handeln. Zum Beispiel die Kindererziehung, Sozialberufe, Dienstleistungsberufe und diverse andere intellektuelle Berufe. Bei diesen Tätigkeiten sind Erfolg und Qualität nicht «herstellbar». Natürlich will man mit dem, was man tut, erfolgreich sein. Es liegt aber nicht am Handeln allein, sondern es geht um Vermittlung, Austausch und Kommunikation.

Im Herstellungsdenken habe ich Erfolg, wenn das Produkt, das ich herstellen wollte, am Ende so geworden ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Im Vermittlungsdenken ist Erfolg, wenn die Vermittlung (Zusammenwirken, Intervention) gelingt zwischen mir, meiner Arbeit, dem Sinn und der Umwelt. Das führt zu Qualität und gesellschaftlicher Anerkennung. Aber ob diese Vermittlung gelingt, diese dienstliche Handlung Erfolg hat, liegt nicht allein an mir, sondern hängt von vielen Faktoren ab.

Ideen und Wissen bringen Anerkennung in der Vermittlung an Mitmenschen. Nur für sich selbst Recht zu haben bringt nichts. Der Wunsch, unsere Arbeit möge gelingen, ist nötig, weil dieses Streben uns nach Vermittlungen suchen lässt. Das gibt für Menschen Hoffnung, Kraft und Zuversicht, dass die Dinge besser werden können. Und nur aus Vermittlung, Umsetzung und Beziehung entsteht Qualität.


Maßstab für Erfolg neu überdenken

Kritische Menschen hinterfragen Erfolg und suchen eine Antwort – vor allem bezüglich Lebensqualität. Sind folgende Säulen tragfähig?

Selbstsüchtiger oder «geistlicher» Erfolg?

Das Verständnis von Erfolg ändert nicht nur die Sicht von uns selbst, sondern beeinflusst die Art und Weise, wie wir die Mitmenschen und die Welt sehen. Stehen zuoberst meine eigenen Bedürfnisse, meine eigene Perspektive oder denke ich auch an das Wohl anderer? Brauche ich Anerkennung, die Zustimmung anderer, und ist mir bewusst, dass dies mich abhängig macht?

Für jemanden, der sich auf Gottes Wort stützt und danach handelt, bedeutet Erfolg, tüchtig zu sein in allem Guten1. Er hat eine Perspektive, die über sein irdisches Dasein hinausgeht. Die Bibel2 warnt, nicht nach leerem Ruhm zu streben, einander nicht herauszufordern noch zu beneiden.

Aus einer persönlichen Beziehung mit Gott wächst ein neues Nachdenken und letztlich eine neue Orientierung, andere Lebensqualitäten wie z.B. Freiheit und innerer Frieden.

_______________

1 Hebräer, Kapitel 13, Satz 21
2 Galater, Kapitel 5, Satz 26

Der Autor

Dr. med. Norbert Vogel

Dr. med. Norbert Vogel

CH-Zürich

Facharzt für Allgemeine Medizin FMH, ganzheitliche Medizin und Vorsorge

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