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Ausgabe 03/13 

Reichtum

Mein Vater lebte in einem Dauerstress; als verantwortlicher Redakteur einer Regionalzeitung hatte er täglich mit Abschlusszeiten zu kämpfen. Das System ließ es nicht zu, dass er diesen Termin verpasste. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere? Täglich gab es den erlösenden Augenblick: »Geschafft!« Der bescheidene Mann verließ sein Büro, besuchte eine stadtbekannte Kaffeestube, setzte sich hin und hatte Zeit. Hier las er die Zeitung, hier war er offen für Gespräche; er genoss die Muße. In diesen Augenblicken war er ein glücklicher, reicher Mann.

Reichtum auch das andere: Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, wo viel gesungen wurde. Zum Beispiel der Kanon:

»Froh zu sein bedarf es wenig,
und wer froh ist, ist ein König.«


Könige mussten in meiner kindlichen Vorstellung unendlich reich sein! Text und Melodie dieses Volkslieds stammen von August Mühling (1776-1847). Bei der Suche nach Komponist und Autor stieß ich mit Vergnügen auf die Strophen zwei und drei des Lieds:

»Frösche, die im Nassen sitzen,
mit Vergnügen sich bespritzen.

Eulen, die auf Tannen hocken,
stricken grüne Ringelsocken.«

Ich habe wenig Information zum Autor und Komponisten gefunden. Aber eines ist mir klar: Ein Mensch, der solche Dinge schreibt, hat eine reiche Fantasie. Es muss ein Vergnügen sein, mit ihm Zeit zu verbringen.

Arme Gegenwart! Wir verbinden mit dem Begriff ‘Reichtum’ die Vorstellung von Geld, Gold, wirtschaftlichen Gütern, materiellem Überfluss, und gehen am wirklichen Reichtum vorbei. Kein Wunder, dass es an einer Stelle in der Bibel heißt: »Du sagst: ‘Ich bin reich und wohl versorgt; mir fehlt nichts.’ Aber du weißt nicht, wie erbärmlich und jämmerlich du dran bist: arm, nackt und blind.« Gott lädt an der gleichen Stelle zu wirklichem Reichtum ein. Hier nur so viel: Dieser Reichtum hängt mit Beziehungen zusammen, mit einem sorgfältigen, liebevollen Umgang mit unserer Vergangenheit – auch wenn da viel daneben ging! – Besteht in einem neuen Zugang, einer neuen Einstellung zu uns selber, zu unseren Nächsten und zu Gott – und damit letztlich zu einem gelassenen Umgang mit dem Heute und Morgen.1

Ich bin mir bewusst, dass ich etwas unendlich Wertvolles (ein Schlüssel zum Reichtum!) in unzulässig verkürzter Form wiedergebe. Ich mache es trotzdem, denn die IVCG, die hinter dieser Zeitschrift steht, macht gerade in dieser Hinsicht tolle Angebote; eine eigentliche Schatzsuche unter dem Begriff ‘ImPuls-Seminar’. Erfahrungen zeigen: Kaum einer geht ärmer vom (übrigens kostenlosen) Seminar weg, viele aber weit reicher als sie es sich jemals vorgestellt hatten.

Über weitere Angebote der IVCG informieren Sie sich am besten über die Webseite www.ivcg.org oder bei einer lokalen IVCG-Gruppe (Adressen ebenso im Internet).

_______________

1 Es lohnt sich, den ganzen Abschnitt in Offenbarung 3, Sätze 17 bis 21 in einer modernen Übersetzung zu lesen.

Der Autor

Christoph Wyss

Christoph Wyss

CH-Bern

Rechtsanwalt; Mitarbeiter in Verlag und Redaktion von ‘reflexionen’ verheiratet mit Margrit Wyss, zwei Töchter, eine Enkelin

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