

So titelte eine Zeitschrift ihren Artikel über käufliche Titel, die – wenig überraschend – erstaunlich viel kosten, als Bild an der Wand schön aussehen, aber völlig wertlos sind! Erkaufte akademische Titel von selbst ernannten Universitäten (oft bestehen sie nur aus einigen Schlaumeiern und einem Briefkasten) darf man nicht tragen, es sei denn, man nehme in Kauf, wegen Titelanmaßung vor Gericht gebracht zu werden.
Und die Adelstitel? Wirklich adelig ist man in Deutschland einzig durch Geburt. Heirat und Adoption geben zwar das Recht, den Adelstitel zu tragen, aber adelig wird man deswegen nicht. Die Schweiz ist in ihrer Gesetzgebung noch einschränkender: Adelstitel werden grundsätzlich nicht als Teil des Namens anerkannt. Der Zusatz ‘von’ weist nicht auf eine adelige Herkunft. Ich bin im Berner Oberland aufgewachsen und kannte sowohl Kinder mit dem Familiennamen ‘von Allmen’ als auch ‘Graf’. Wenn Peter Graf seine Jugendfreundin Käthi von Allmen heiratet, darf er sich zwar künftig ‘Peter Graf von Allmen’ nennen; Käthi mag seine Prinzessin und die große Liebe seines Lebens sein; die auf Adel spezialisierten Zeitschriften werden ihn trotzdem nie erwähnen.
Persönlich von Gott in den Adel berufen werden? So absurd der Gedanke zuerst tönen mag: im Zusammenhang mit Freiheit ist es genau das, was Gott für uns will: er will uns den Titel ‘Dr. h.c. von und zu …’ geben. Frei von … frei zu!
Frei von. Gott will uns von Gebundenheiten befreien; von all jenen Mechanismen, die letztlich nichts anderes als den Tod bringen. Von jenem tausendfachen ‘man muss’, ‘man sollte’, das unser Leben so schwer macht, von inneren Sklaventreibern, Fesseln der Konvention, Religion, Manipulation; von der eigenen schuldbeladenen Geschichte; von dem Festhalten an alten, todbringenden Erfahrungen mit anderen Menschen. Gott ruft uns zu: »Das muss nicht sein – ich selber habe das Tor zur Befreiung weit aufgerissen!« Und er zeigt den Weg, begleitet, befreit.
Frei zu. Bindungslose Menschen sind jedoch unglücklich. Deshalb lädt uns Gott ein zu einem Leben im Zustand des ‘frei zu …’ Ich erläutere es am Beispiel der Ehe: Durch die Heirat habe ich mich freiwillig an meine Frau, sie sich freiwillig an mich gebunden. Das Resultat erfahren wir nicht als Unfreiheit, sondern als liebevolle Erfüllung, Reichtum des Miteinanders. Wo auch immer das Thema Liebe auftaucht: wahre Liebe ist ein ‘frei zu …’
Darum lädt der liebende Gott uns Menschen zu einer freiwilligen Bindung an ihn ein. Gott ist kein Gefängniswärter und kein Sklaventreiber; er sucht Freundschaft! Dr. h.c. Der Zusatz h.c. steht für honoris causa (ehrenhalber). Es ist eine geschenkte Auszeichnung. Sie wird nicht akademisch verdient, sondern geschenkt. Die normalen Promotionsleistungen braucht der Geehrte nicht zu erbringen.
Dies ist genau das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen, die sich ihm zuwenden. »Durch Gottes Gnade seid ihr gerettet, und zwar aufgrund des Glaubens. Ihr verdankt eure Rettung also nicht euch selbst; nein, sie ist Gottes Geschenk. Sie gründet sich nicht auf menschliche Leistungen, sodass niemand vor Gott mit irgendetwas großtun kann.«1
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1 Brief an die Epheser, Kapitel 2, Sätze 8 und 9